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Warum freie Projekte für Fotografen so wichtig sind

„Was empfehlen Sie Nachwuchsfotoreportern, um heute Beachtung zu finden? Sind es besondere Themen oder ist es eine eindrucksvolle Bildsprache?“ fragte Marko Radloff den Leiter der Bildredaktion des Magazins Stern, Andreas Trampe. Die Antwort von Herrn Trampe lautete:

Ein eindeutiges Profil, das aus exzellenter Bildsprache und möglichst einem Themenschwerpunkt besteht, so dass er /sie für bestimmte Inhalte/Bildsprache steht und somit für Agenturen, Zeitungen und Zeitschriften verlässlich einzuordnen ist.

Das fotografische Universalgenie hat ganz klar ausgedient. Das, wovon früher die große Teile der ausgebildeten Fotografen lebten, Hochzeits- und Porträtfotografie, ist heute überwiegend in den Händen von Quereinsteigern und Semi-Profis. Der Bereich der klassischen Werbefotografie wird nicht mehr exklusiv von handwerklich gebildeten Fotografinnen und Fotografen bedient, sondern immer mehr werden auch hier Persönlichkeiten engagiert. Wer sein Auskommen hat, muss sich über diese Veränderungen nicht empören und kann fröhlich weiter seinem Tagesgeschäft nachgehen. Für jene, die jetzt ihre Zukunft planen, gelten andere Regeln.

Freie Projekte sind der Königsweg, aber beileibe nicht der einzige Weg zum Erfolg. Man kann alternativ über Sponsoren oder tolle Kontakte zu Artdirektoren verfügen; man kann schon einen Namen als Musiker oder aus dem Fernsehen haben; man kann ein Alleinstellungsmerkmal und besonders viel Ehrgeiz aufbieten; man ist ein naturwüchsiges Marketinggenie, oder, wie es im Theaterjargon heißt, eine „Rampensau“. Das alles sind individuelle, daher schlecht übertragbare Möglichkeiten. Frei zu arbeiten steht hingegen prinzipiell jedem Fotografierenden offen – ob Amateur, Künstler, Anfänger, gestandener Reporter, Werber, ganz egal. Jeder hat jederzeit die Chance, sich mit einer interessanten Arbeit weiterzuentwickeln und zu profilieren. Kein Wunder also, dass jene, die ein bisschen mehr Zeit für ihre Ausbildung aufwenden, die Studenten an der Hochschule, sich mit der Planung, Konzeption und Organisation solcher Fotoprojekte beschäftigen.

In meinem aktuellen Buch habe ich beschrieben, wie man sich der der Fotoserie auch ohne begleitendes oder angepeiltes Hochschulstudium nähern kann. Prof. Rolf Nobel, Hannover, attestiert denn auch: „…sie kennt sich in der Szene und ihren Gesetzen aus. Vieles von dem, was sie in ihrem Buch schreibt, predigen auch meine Kollegen und ich immer wieder ambitionierten Amateuren, Studienbewerbern und -anfängern. Sie hat es in dem Buch sehr schön und lesbar auf den Punkt gebracht.“

Hier nun die Fotoprojekt-Pluspunkte in der Zusammenfassung:

  • In einem freien Projekt kann man seine Handschrift verfeinern, seinen Stil finden, ohne auf kommerzielle Belange achten zu müssen.
  • Falls man bis dahin immer nur einzelne Fotos realisiert hat, muss man ein visuelles Konzept für eine Reihe von Fotos oder eine Serie entwickeln, verfeinern und durchhalten. Das schult den Selektionsprozess.
  • Wie bei einem Auftrag hat auch das freie Projekt eine Konzeptionsphase, eine Realisationsphase und eine Präsentationsphase. Wobei letztere vielfach besonders interessant sein dürfte, weil sie im kommerziellen Bereich normalerweise nicht vom Fotografen selbst kontrolliert wird. (Gemeint ist hier die Art und den Kontext der Veröffentlichung.)
  • Eben jenes Präsentationsmedium bestimmt schon die Art der Arbeit mit. Will man die Serie als Buch veröffentlichen? Oder in einer Ausstellung? Oder online in Kombination mit andern Medien wie Musik oder O-Ton?
  • Eine Arbeit zum Abschluss zu bringen und sie als Person zu vertreten, kann das Gefühl von Zufriedenheit vermitteln, das zur monetären Entlohnung durchaus als gleichwertig empfunden werden kann.
  • Eine Ausstellung, ein Buch, eine Multimediapräsentation bedeutet Öffentlichkeit. Sie bietet Anlass für PR-Arbeit, Zeitungsartikel. Damit steigen die Bekanntheit und das Renommee des Fotografen.
  • Mit geschickt gewählten Themen und bei entsprechend interessanten Ergebnissen, wird die Arbeit auch kommerziell ein Erfolg, indem Magazine Bildstrecken drucken, sich das Buch verkauft oder die ausstellende Galerie Bilder absetzen kann.
  • Je mehr solcher freier Arbeiten, die Beachtung finden, ein Fotograf realisiert, desto bekannter wird er, desto höher sind die Tagessätze und desto wahrscheinlicher ist eine Nachfrage. Denn da ist der Kunstmarkt wie der kommerzielle Kunde: Gekauft wird die Erfolgsstory, der Glamour, der abfärbt von den porträtierten Prominenten, der ungewöhnliche Stil.
  • Eine „Schuhgröße kleiner“ ist das Projekt dazu da, die eigene Leistung, die individuelle Kreativität zu fördern und nach außen belegen. Es macht Fotografen unterscheidbar in einem Markt, bei dem eine individuelle Bildsprache jeden Tag wichtiger wird. Ist die „normale“ Fotografie doch von zwei Seiten bedroht: Durch das Standardmaterial der Bildagenturen einerseits und durch CGI, das Generieren von Bildern am Rechner, andererseits. Sich abzuheben mit einer persönlichen Note ist das Gebot, um mit dem Fotografieren zu überleben.

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„Pimp up your Marketing“ wird mein nächstes Buch zwar nicht heißen, aber handfeste Anleitungen dafür bieten. Schließlich geht es für Fotografinnen und Fotografen heute darum, ein Profil zu gewinnen und es gut zu präsentieren. Der obige Text ist ein Auszug aus dem in Arbeit befindlichen Manuskript und stellt eine Art Brückenschlag zum ersten Titel über nicht-kommerzielle, freie Fotoprojekte her.

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