Vor der Presse stehen

Zur PhotoEspaña in Madrid war die internationale Presse geladen. Beim Rundgang durch die Ausstellungen hatten FotografInnen und KuratorInnen Gelegenheit, etwas über ihre Arbeit zu sagen. Nun sehen PressevertreterInnen auch nicht anders aus als andere Leute, was vielleicht nicht so recht ins Bewusstsein dringen lässt, welche enorme Chance sich da bietet. Aufmerksamkeit ist doch, worum alle ringen. Nun ist sie da. Die Frau vom Londoner Guardian, der Mann von der New York Times, ein Paar, das für einen berühmten Blog nach Interviewpartnern sucht. Und was passiert? Niemand ist darauf vorbereitet. Was nicht unbedingt heißt, es gäbe keine Pressematerialien. Es fehlte jedoch die persönliche Vorbereitung auf die Situation. Und ich meine jetzt nicht: „Was ziehe ich an?“, sondern den Umstand, dass ein freundliches, aber unverbindliches Plauschen in dem Fall eines zeitlich eng getakteten Presseevents nicht ideal ist. Niemand nannte beispielsweise seinen Namen. Der ist aber wichtig, denn nur so kann man zitiert werden. Gerade in Situationen, in denen es nicht eindeutig ist, also, wenn man mit anderen zusammen vor der Presse steht, sollte man immer sagen: „Ich freue mich über Ihr Kommen. Mein Name ist …, ich bin Geschäftsführerin von … und möchte Ihnen kurz vorstellen, was an …. neu und anders ist.“

Be relevant!

Machen Sie sich vorher klar, welche zwei, drei Fakten, Sie unbedingt vermitteln möchten. Was ist wichtig? Was ist bei Ihnen anders als bei anderen? Angenommen, Sie eröffnen einen Hundesalon. Vielleicht nehmen Sie sich für Problemhunde mehr Zeit, um deren Vertrauen zu gewinnen, statt Beruhigungsmittel einzusetzen. Entsprechend kostet Ihre Dienstleistung etwas mehr – wegen des höheren Zeitaufwandes. Dann sind das die interessanten und mithin berichtenswerten Fakten, die Sie gleich zu Beginn nennen sollten. Aus Verlegenheit oder mangels Vorbereitung damit anzufangen, dass man schon mit acht Jahren den ersten Hund frisiert hat, wäre eine Vergeudung der Möglichkeiten und der Zeit der Anwesenden.

In dem von mir erlebten Fall standen drei junge Fotografinnen vor Pressevertretern aus den USA und Europa und erzählten von ihrem Roadtrip, wie schwierig die Vorbereitung war, und überhaupt: Einige waren mit Babys unterwegs. Das ist sympathisch, aber betrifft ihr persönliches Erleben, nicht das Ergebnis, um das es jetzt in erster Linie gehen sollte. Professioneller wäre es gewesen, sie hätten (als erstes) gesagt, wie sie heißen, wo sie leben, wofür sie als Fotografin stehen und was ihr Beitrag zu der Ausstellung ist. Danach kann man mit Anekdoten unterhalten. (Das heißt, man berichtet Persönliches mit Anfang, Mitte und Pointe – statt ohne Punkt und Komma.)

Make it easy (for them)!

Gerade in der Gruppe sollte man sich vorher eine halbe Stunde hinsetzen und überlegen, wer was halbwegs druckreif sagen mag. Mit einem Zettel in der Hand dazustehen ist nicht top-souverän, aber auch nicht peinlich. Auf jeden Fall sind Notizen mit dem Wesentlichen professioneller als einfach das zu erzählen, was einem gerade in den Sinn kommt. Überlegen Sie, was Sie gerne über sich lesen würden. Und dann diktieren Sie es möglichst genau so den Pressevertretern in die Smartphones.

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