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Michel Campeau: Darkrooms, Robert Morat Galerie

Michel Campeau: Darkrooms

In der Galerie Robert Morat in Hamburg läuft noch bis zum 29. Oktober 2011 eine Ausstellung mit den Arbeiten des kanadischen Fotografen Michel Campeau. Dieser hat in Dunkelkammern  fotografiert und viele werden denken, auf die Idee hätten sie auch kommen können. Wer die analoge Fotografie im eigenen Labor aktiv betrieben hat, wird sicherlich ein wenig sentimental beim Anblick von Campeaus Serie. Es ist ein Verdienst, dass er die Gerüche und Improvisationskunst, die Chemiereste und die in der Luft liegende künstlerische Inspiration des Laboranten so wunderbar eingefangen hat. Martin Parr machte den 1948 geborenen und in Montreal lebenden Fotografen durch die Publikation der Arbeiten in einem Bildband bei Nazraeli Press international bekannt.

Michel Campeau: Darkrooms

Der besondere Charme der Arbeiten – oder zumindest eines Teils der Fotografien – liegt in den Anspielungen und Referenzen an die bildende Kunst. Selbstgebastelte Abwedler erinnern an Calder-Mobiles, die Ablaufwanne in Nahaufnahme an Rothko, die Klebestreifen an der Wand an ein konstruktivistische Gemälde. Das Ganze ist nicht ohne Ironie und daher sehr amüsant. Ob dahinter wirklich konzeptionelle Absicht steckt, bleibt im Dunklen in Anbetracht von Motiven, die schmuddelige Details ohne Hintergründigkeit abbilden (unten links im Bild beispielsweise).

Blick in die Ausstellung (mit dem iPhone geknipst)

Die Erwartung, irgendwann würde enthüllt, wer in der Dunkelkammer seine Bilder entwickelte, wird enttäuscht. Mehr als Ort und Land wird den Bildern nicht beigegeben – die meisten entstanden in Montréal, Québec, Kanada, aber auch in Niger, Belgien und Mexiko.

Das alles ist gut so wie es ist, das Thema ohnehin brillant gewählt: Diese optischen Perlen aus versauten dunklen Ecken zu destillieren ist eine erstaunliche Leistung. Nun kommt das Aber: Alle Abzüge sind überdimensionierte 84 mal 107 cm und lassen den Charme der Duka-Enge so ganz und gar vermissen. Noch dazu sind alle gleich groß und hinter Glas gerahmt, in dem sich die Außenwelt und der Betrachter spiegeln. Mir gefallen die Arbeiten im kleinen Buchformat wesentlich besser, außerdem wären sie dann vielleicht erschwinglich.

Alle Motive in einer Größe und identischen Rahmungen zu hängen wirkt fast ein bisschen passé (seit Wolfgang Tillmans?). Viele Fotografen wollen es noch so; es entbindet sie von der Entscheidung, welche Größe für welches Bild angemessen wäre. Für bildende Künstler ist die Formatfrage essentiell. So auch bei:

Sinje Dillenkofer: Cases, Flo Peters Gallery

Sinje Dillenkofer "Cases" in der Flo Peters Gallery, Hamburg (Schachfigurenschatulle)

Wer gerade in Hamburg oder in der Nähe ist, dem sei dies als interessanter Vergleich empfohlen: Sinje Dillenkofer „Cases“ in der Galerie Flo Peters im Chilehaus. Dillenkofer hat ebenfalls in dunklen Ecken und Vitrinen geforscht und daraus Schatullen ans Licht gebracht, die wunderschön von ihr beleuchtet ein neues Leben als fotografische Kunstwerke gewinnen. Auch hier wieder die Referenz an die abstrakte Malerei, aber doch viel subtiler und auch technisch unglaublich perfekt. Jedes Objekt hat seine Größe und seine Präsentationsform, die wiederum von seiner ursprünglichen Größe losgelöst ist. Nicht nur, wenn man sich mit Fragen der Bildpräsentation befasst, ist die Betrachtung der Originale von Sinje Dillenkofer inspirierend (bis 15.10.2011, Text siehe Galerien in Hamburg)