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Die Über mich-Webseite: Als Person sichtbar sein

Startseite Michael Putzlocher
Michael Putzlocher aus Tirol macht es vor: Er zeigt sich und sagt, was er anbietet.

„Was soll ich über mich schreiben?“ ist für viele Websitebetreiber eine quälende Frage. Lieber stellen sie ihr Produkt, ihre Dienstleistung vor. Sie ignorieren dabei eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Menschen interessieren sich für Menschen. Der Erfolg von Facebook beruht darauf. Die ganze Branche der goldenen Blätter und die Sensationspresse leben davon. Im bunten Blätterwald geht es selten um Fakten. Entscheidend für eine Veröffentlichung ist die Story. Menschen lieben Geschichten. Diese bleiben im Gedächtnis. Und falls Sie im Gedächtnis bleiben wollen, sollte es mindestens eine merkfähige Zeile Text gleich unterhalb Ihres Namens oder Logos geben.

Seit Aufkommen der persönlichen E-Mail und der digitalen sozialen Medien leben und arbeiten wir zudem in einer Person2Person-Kommunikation. Die lustige Anrede „Sehr geehrte Firma“, ist gänzlich verschwunden. Man adressiert auch in Unternehmen eine individuelle Person.

Tarnnamen für den Online-Auftritt sind ebenfalls passé. Seit einigen Jahren ist es üblich, unter dem eigenen Namen auffindbar zu sein. Wie gerade in der Amazon-Prime-Show „Making the Cut“ zu sehen. Der Gewinner, Designer Jonny Cota, firmiert nicht länger (nur) unter „Skingraft“, sondern setzt auf „Jonny Cota Studio“. Ich stellte (schweren Herzens) meinen langjährigen Blog „Fotofeinkost“ ein und veröffentliche auf meiner Namensdomain. Michael Putzlocher verabschiedete sich auf meinen Rat hin von „Propeller Media“, was nach staubaufwirbelnder Agentur klingt, und arbeitet jetzt wortwörtlich im eigenen Namen.

Was sage ich über mich? Definieren Sie Ihr Business-Ich!

Jeder Solopreneur baut wie Künstler seine eigene Personenmarke auf, verkörpert eine Personal Brand. Und die sollte erkennbar individuell sein, also durchaus Ecken und Kanten aufweisen. Es lohnt sich, gut zu überlegen, was zum eigenen Selbst als Marke gehört und was beispielsweise dem Privatbereich zugehörig bleiben soll.

Ich nenne es das „Business-Ich“. Wie sieht es aus? Nehmen Sie ein Blatt und notieren Sie Ihre beruflich wirksamen Aspekte. Diese Vorbereitung hilft bei vielen weiteren Entscheidungen, die Sie für Ihre Selbstdarstellung und Kundenkommunikation treffen müssen.

Das Porträt auf der Startseite zeigt Sie, oder?

Vor einem Tagesseminar, das ich in Innsbruck hielt, hatte ich regen E-Mail-Kontakt mit einem Teilnehmer. Kurz vor Beginn der Veranstaltung war ich total enttäuscht, ihn nicht im Raum zu sehen. Ich schaute nach einem markanten Typ mit Bandana und Tattoos, wie auf der Startseite seiner Webpräsenz. Ganz automatisch hatte ich den Fotografen damit identifiziert. Mein netter Mailkontakt saß erwartungsvoll, aber ohne optisch auf sich aufmerksam zu machen, vor mir in der zweiten Reihe.

Haben Sie eine Namensdomain, also eine Homepage, die so heißt wie Sie? Dann erwartet ein Besucher, Sie zu sehen. Für Fotograf*innen gilt: Vermeiden Sie es zumindest, auf der Startseite ein Porträt zu zeigen, das man mit Ihnen als Person identifiziert. Fürs erste würden bereits Bildunterschriften reichen, um Verwechslungen auszuschließen.

Ein Porträt, mit dem Sie sich vorstellen, ist auf der Startseite mehr als angebracht. Vielfach gibt es bereits Webseiten-Templates, die genau das vorsehen. Bald wird es Standard sein.

Über-mich-Webseite
Eine beispielhafte Webseitenvorlage (Template) des Pagebuilders Elementor für WordPress-Websites.

 

Um Sie zu engagieren, möchte ein Kunde wissen, wer Sie sind. Und dabei vertraut der Kunde wie jeder von uns auf einen ersten bildlichen Eindruck von der Person. Alle Meriten und die Referenzen durch bisherige Kunden ergänzen diesen ersten Eindruck.

Zum Wichtigsten auf Ihrer Website gehört folglich Ihr Porträt. Sie werden als Person engagiert. Vermitteln Sie einen netten und kompetenten Eindruck? Sind Sie jemand, dem man ohne zu zögern ein höher vierstelliges Budget oder sich selbst als Person anvertrauen würde?

Die große Sorge von Newcomern entkräftet

Ebenso wichtig wie das Porträtbild ist eine Aussage über das, was Sie anbieten. Das klingt so simpel, doch meist fällt es schwer, es zu realisieren. Finden Sie Ihre Nische und eine Kundengruppe, die von sich aus daran interessiert ist, mit Ihnen zu arbeiten.

Eine Homepage mit dem eigenen Konterfei und einer klaren Aussage birgt auch für Newcomer entscheidende Vorteile: Sie überzeugen durch Ihr Statement und als Person und müssen sich keine Sorge mehr machen, zu wenig Arbeitsbeweise vorzuzeigen. Kein Mensch nimmt sich heute die Zeit, auf Thumbnails zu klicken und sich durch Portfolios durchzuarbeiten. Warum also die Website mit Bildmaterial überfrachten? Ein paar strategisch ausgewählte Hingucker reichen aus und bleiben eher im Gedächtnis haften als eine Bilderflut.

Für Fotografinnen und Fotografen lautet mein Rat: Weniger Bilder, aber häufigere Wechsel, so dass Besucher, die zum wiederholten Male die Website besuchen, neue Bilder sehen.

Über mich Fazit:

In der idealen Onlinepräsentation verknüpfen Sie das Wissenswerte über sich zu einer kleinen Geschichte. Das ist übrigens deutlich leichter, wenn vorab schon geklärt wurde, wer Ihr Wunschkunde sein soll. Stellen Sie sich diesen Kunden vor und dem erzählen Sie von sich. Und wenn Sie sich wünschen, Sie müssten nicht selbst über sich schreiben, dann fragen Sie jemanden, der in Ihrem besten Sinne textet. Mich.

 

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Dieser Beitrag ist Teil des Fotografen-Website-Tutorials 2020

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